5 Fragen an Dr. Sibylle Schnyder — Stiftungsratspräsidentin der Anlagestiftung Adimora
Interview: Mike Siering / Bild: Marco Blessano
Dr. Sibylle Schnyder, Präsidentin des Stiftungsrats der Anlagestiftung Adimora, spricht über ihre Motivation, die Erwartungen von Pensionskassen an Immobilienanlagen und die Herausforderungen in einem zunehmend anspruchsvollen Umfeld.
Dr. Sibylle Schnyder
Stiftungsratspräsidentin der Anlagestiftung Adimora
Frau Schnyder, seit Januar dieses Jahres sind sie Präsidentin der Immobilien-Anlagestiftung Adimora. Was hat Sie bewogen, das Amt anzutreten?
In meinem Arbeitsalltag befasse ich mich mit Rechtsthemen rund um Immobilien. Dabei ist der Fokus meist sehr spezifisch auf einzelne Objekte oder Vertragsbeziehungen gerichtet. Es hat mich gereizt, zur Abwechslung eine übergeordnete Perspektive einzunehmen. Der Stiftungsrat ist das oberste Leitungs- und Kontrollorgan einer Anlagestiftung; im Stiftungsrat befassen wir uns mit Fragen zur Organisation, strategischen Ausrichtung, Berichterstattung und zur Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften. Auf die Anfrage, im Stif-tungsrat der Adimora mitzuwirken, habe ich ohne zu zögern zugesagt, weil mich die verantwortungsvolle und nachhaltige Firmenkultur der Pensimo überzeugt. Besonders inspirierend finde ich auch den frischen Wind, den Marie Seiler als CEO ins Unternehmen bringt.
Die Anlagestiftungen der Pensimo investieren ausschliesslich Kapital von Vorsorgeeinrichtungen in Immobilien. Welche Erwartungen haben Pensionskassen aus Ihrer Sicht an diese Anlageklasse?
Pensionskassen in der Schweiz erwarten von Immobilienanlagen insbesondere stabile, langfristig planbare Erträge bei möglichst geringem Risiko. Sie bevorzugen nachhaltige Objekte, die einen verlässlichen Cashflow und einen gewissen Inflationsschutz bieten. Gleichzeitig müssen alle Investitionen strenge regulatorische Vorgaben genügen und sich stimmig in eine breit diversifizierte Gesamtstrategie einfügen.
Adimora schafft preiswerten Wohnraum in Schweizer Zentren und Agglomerationen. Dazu erwirbt sie Liegenschaften und investiert in Entwicklungsprojekte. Finden sich aktuell überhaupt noch genügend Objekte oder Projekte, die für einen solchen Anlagefokus geeignet sind?
In zentralen Lagen ist es in der Tat anspruchsvoll, geeignete Immobilien für preisgünstiges Wohnen zu finden. Pensimo verfügt hier über ein starkes Netzwerk, das wir gezielt nutzen, um passende Objekte zu identifizieren und zu sichern. Adimora fokussiert sich bewusst auf Standorte in weniger hoch bewerteten Mikrolagen, die gleichzeitig sehr gut mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen sind. Zudem setzt Adimora auf durchdachte Neubaukonzepte, wie das Projekt «Zwhatt» in Regensdorf zeigt: Durch intelligente, kompakte Grundrisse lassen sich die Baukosten optimieren und damit tiefere Mieten anbieten, ohne Einbussen bei der Wohnqualität.
«Auf die Anfrage, im Stiftungsrat der Adimora mitzuwirken, habe ich ohne zu zögern zugesagt, weil mich die verantwortungsvolle und nachhaltige Firmenkultur der Pensimo überzeugt.»
Derzeit sind rund zwanzig Anlegerinnen und Anleger bei Adimora investiert. Nicht alle haben vermutlich die gleiche Vorstellung darüber, wie das eingebrachte Kapital zu investieren ist. Verstehen Sie sich als Präsidentin des Stiftungsrats auch als Moderatorin divergierender Interessen?
Als Stiftungsratspräsidentin ist es eine meiner zentralen Aufgaben, die unterschiedlichen Interessen der Anlegerinnen und Anleger aufzunehmen und die Diskussion an den Stiftungsratssitzungen zu leiten, damit fundierte und breit abgestützte Beschlüsse gefällt werden. Die grössten Anleger sind im Stiftungsrat vertreten; ich bin als Präsidentin unabhängig und verpflichtet, das Gesamtinteresse der Stiftung und aller Anleger zu wahren.
Mit Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für institutionelle Immobilieninvestoren?
Die zunehmende Regulierungsdichte bedeutet höhere Hürden für Bauvorhaben und zu lange Bewilligungsverfahren. Einsprachen können Projekte schon heute erheblich verzögern. Insbesondere bei der Innenverdichtung treten divergierende Interessen und Zielkonflikte zutage, die rechtlich und gesellschaftlich ausgewogen gelöst werden müssen. Es ist zu erwarten, dass eine unsichere wirtschaftliche und geopolitische Lage zusätzliche Volatilität bei Finanzierung, Baukosten und Nachfrage mit sich bringen wird.
Für uns bedeutet dies, Projekte noch sorgfältiger vorzubereiten, rechtliche Risiken früh zu adressieren und Szenarien für unterschiedliche Rahmenbedingungen einzubeziehen.
Über Dr. Sibylle Schnyder
Dr. Sibylle Schnyder ist Rechtsanwältin und seit 2013 Partnerin bei CMS von Erlach Partners AG, wo sie die Praxisgruppe Immobilienrecht leitet. Sie besitzt das Zürcher Anwaltspatent, hat an der Universität Basel promoviert und ist Fachanwältin SAV Bau- und Immobilienrecht. Seit 2010 doziert Sibylle Schnyder am CUREM, Universität Zürich, und seit 2012 an der Universität Fribourg.
Seit Januar 2026 steht Sibylle Schnyder als Präsidentin dem Stiftungsrat der zur Pensimo-Gruppe gehörenden Anlagestiftung Adimora vor, die aktuell rund tausend Wohnungen im Umfang von rund einer halben Milliarde Franken verwaltet. Sibylle Schnyder ist Mitglied folgender Organisationen: Kammer der Fachanwälte SAV Bau- und Immobilienrecht, Zürcher Anwaltsverband, Schweizerischer Anwaltsverband, Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Kammer unabhängiger Bauherrenberater, women in property switzerland association (wipswiss), the boardroom.
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