Interview mit Marc Capeder, CEO Regimo AG / Zürich, September 2026

Regimo nach der Fusion – persönlich, mutig, verbindlich

Interview: Mike Siering

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Nach der erfolgreichen Fusion spricht Marc Capeder, CEO der Regimo AG, im Interview über seine ersten sechs Monate im Amt. Ein Gespräch über regionale Stärke, neue Strukturen und die Herausforderung, Unternehmergeist und Nähe auch in einer grösseren Organisation zu bewahren.

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Marc Capeder
CEO Regimo AG

Mitte des Jahres konnte die Fusion von sieben regionalen Gesellschaften zu einer Regimo AG vollendet werden. Was bedeutet dieser Schritt für Regimo?
Für Regimo bedeutet dieser Schritt den Abschluss einer langen Projektphase und zugleich einen Neuanfang. Für einige Beteiligte, insbesondere für frühere Geschäftsführer und Aktionäre der regionalen Gesellschaften, ist die Fusion auch ein persönlicher Einschnitt: Sie geben etwas ab, das sie über viele Jahre mitgeprägt haben. Für die neue Regimo AG eröffnet sich nun aber die Möglichkeit, wirklich als gemeinsames Unternehmen aufzutreten. Die Phase der Vertraulichkeit und der Vorbereitung ist vorbei; jetzt können wir zusammenarbeiten, Kräfte bündeln und die nächsten Schritte gemeinsam angehen.

Mittlerweile hat Regimo bereits acht Niederlassungen. Seit Kurzem seid ihr auch in Winterthur präsent. Warum habt ihr euch zu diesem Schritt entschlossen?
Wir wollen unsere regionale Stärke bewusst erhalten. Nähe vor Ort ist in der Immobilienbewirtschaftung ein klarer Mehrwert: Man kennt die Liegenschaften, die Kundinnen und Kunden sowie die lokalen Gegebenheiten. Eine Niederlassung in Winterthur hilft, die regionale Nähe auch im Kanton Zürich glaubwürdig weiterzuführen und die Strukturen überschaubar zu halten.

Sind weitere Niederlassungen geplant? 
Konkrete weitere Niederlassungen sind derzeit nicht geplant. Wir haben zwar die Schweizer Karte analysiert und sehen Regionen, in denen eine Präsenz grundsätzlich sinnvoll sein könnte. Am Ende braucht es dafür aber das passende Volumen an Liegenschaften und Aufträgen. Wir sind offen für neue Standorte, wenn sie strategisch und wirtschaftlich sinnvoll sind, verfolgen derzeit aber keinen festen Ausbauplan.

Am 1. Februar 2026, also vor etwas mehr als einem halben Jahr, hast du als CEO der neuen Regimo AG gestartet. Wie bist du empfangen worden? Was hast du vorgefunden?
Ich war bereits vor meinem offiziellen Start in einzelne Themen involviert, was mir den Einstieg erleichtert hat. Am 1. Februar wurde ich sowohl bei Regimo als auch bei Pensimo sehr offen und herzlich aufgenommen. Wichtig war für mich, rasch den Kontakt zu den Regionen aufzubauen. Dort findet das operative Geschäft statt, dort sind die Teams nahe bei den Kundinnen und Kunden. Deshalb war es mir ein Anliegen, die Menschen vor Ort früh kennenzulernen und einen persönlichen Bezug aufzubauen.

«Jetzt können wir zusammenarbeiten, Kräfte bündeln und die nächsten Schritte gemeinsam angehen.»

Was hat sich für die heutigen Niederlassungen durch die Fusion konkret geändert?
Im operativen Geschäft hat sich für die Niederlassungen wenig verändert. Die Bewirtschaftung, der Kundenkontakt und die regionale Verantwortung bleiben weiterhin vor Ort. Spürbar sind die Veränderungen vor allem bei den zentralen Themen wie HR, Finanzen und IT. Prozesse werden vereinheitlicht, Zuständigkeiten neu geregelt und an gewisse Abläufe muss man sich vor Ort vielleicht erst noch gewöhnen. Gleichzeitig schafft diese Vereinheitlichung mehr Sicherheit, Qualität und Entlastung, sodass sich die regionalen Teams stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

Es gibt heute acht Niederlassungen mit acht selbstständigen Teams und acht Leitungen. Wie interpretierst du in diesem Zusammenhang deine Rolle als CEO der Regimo AG?
Die Leitungen der Niederlassungen bleiben für mich weiterhin Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer ihrer Regionen. Sie tragen Verantwortung, kennen ihre Märkte und sollen auch künftig unternehmerisch handeln können. Meine Rolle besteht darin, den Rahmen zu setzen, den Austausch sicherzustellen und dort Orientierung zu geben, wo überregionale Themen betroffen sind. Für beide Seiten ist das ein Lernprozess: Die Niederlassungen müssen sich daran gewöhnen, wichtige Informationen frühzeitig mit mir zu teilen, und ich muss verstehen, wo regionale Eigenständigkeit wichtig ist. Für die Kundinnen und Kunden ist entscheidend, dass Regimo trotz nationaler Struktur weiterhin regional verankert und persönlich erreichbar bleibt.

Kürzlich sind die Mitarbeitenden aller Niederlassungen zu einem Fest zusammengekommen. Wie ist die Stimmung? Was bedeutet die Fusion für die regionalen Teams? 
Die Stimmung ist sehr positiv. Viele Mitarbeitende freuen sich, Kolleginnen und Kollegen aus anderen Niederlassungen persönlich kennenzulernen und sich fachlich auszutauschen. Vor der Fusion gab es bereits Kontakte, nun entstehen daraus konkretere berufliche Verbindungen. Gleichzeitig ist nachvollziehbar, dass einzelne Mitarbeitende die Nähe und Überschaubarkeit einer kleineren Organisation schätzen. Deshalb ist wichtig zu zeigen: Die regionale Struktur bleibt bestehen, bietet aber neu zusätzliche Möglichkeiten für Zusammenarbeit, Entwicklung und Wissenstransfer.

Was hat dich in den letzten sechs Monaten am meisten beschäftigt?
Am meisten beschäftigt hat mich die kulturelle Dimension der Fusion. Regimo war zwar bereits eine gemeinsame Marke, aber jede regionale Gesellschaft hatte ihre eigene Geschichte, Arbeitsweise, Kundenstruktur und Führungsphilosophie. Diese unterschiedlichen Kulturen lassen sich nicht einfach auf Knopfdruck vereinheitlichen. Bei vielen Themen geht es deshalb darum, einen tragfähigen Konsens zu finden. Gleichzeitig braucht es manchmal klare Entscheide, damit das gemeinsame Unternehmen vorankommt.

«Diese unterschiedlichen Kulturen lassen sich nicht einfach auf Knopfdruck vereinheitlichen.»

Gibt es ein Highlight deiner Arbeit in den letzten 6 Monaten?
Ein klares Highlight war der Regimo-Tag. Alle Mitarbeitenden zusammen zu sehen und die Freude in den Gesichtern zu spüren, war sehr eindrücklich. Für viele war das Fusionsprojekt anspruchsvoll und teilweise auch energieraubend. Umso wichtiger war der Moment, in dem sichtbar wurde: Wir sind auf der Zielgeraden, vieles ist geklärt, und wir können als gemeinsame Regimo AG nach vorne schauen. Auch die neuen Arbeitsverträge mit der neuen Regimo AG sind dabei beispielsweise ein wichtiges Zeichen. Wenn die Mitarbeitenden diesen Schritt mittragen, ist das eine grosse Wertschätzung.

Worin sieht du die grösste Stärke der Regimo, wie sie heute aufgestellt ist?
Die grösste Stärke der Regimo ist weiterhin die regionale Nähe. Wir sind vor Ort verankert, kennen die Märkte und pflegen ein persönliches Miteinander. Das ist nicht nur für unsere Kundinnen und Kunden wichtig, sondern auch für unsere Attraktivität als Arbeitgeberin. Diese Kultur müssen wir bewahren, auch wenn wir nun als grössere gemeinsame Organisation auftreten.

Worin siehst du die grössten Herausforderungen?
Eine grosse Herausforderung ist sicher, den Unternehmergeist zu bewahren. Genau dieser hat die regionalen Gesellschaften stark gemacht. Mit der Fusion entstehen mehr gemeinsame Prozesse und Strukturen, was notwendig und sinnvoll ist. Entscheidend ist aber, das richtige Mass zu finden: so viel Harmonisierung wie nötig, ohne die Eigeninitiative, Nähe und unternehmerische Verantwortung vor Ort zu verlieren.

«Entscheidend ist, das richtige Mass: so viel Harmonisierung wie nötig, ohne Eigeninitiative, Nähe und unternehmerische Verantwortung vor Ort zu verlieren.»

Worauf liegt der Fokus bis zum Jahresende?
Bis Ende Jahr stehen für mich zwei Themen im Vordergrund. Erstens wollen wir die Strategie der Regimo für die nächsten fünf Jahre finalisieren: Wer wollen wir sein, was bedeutet das für unsere Kundinnen und Kunden, für unsere Partner und für unsere Mitarbeitenden? Zweitens geht es darum, die finanzielle Transparenz zu stärken. Mit dem ersten Halbjahresabschluss erhalten wir ein klareres Bild davon, wo wir stehen und welche Grundlagen wir für die Planung der kommenden Jahre brauchen.

Das Führungsteam der Regimo AG setzt sich aus bestehenden Regimo-Mitarbeitenden und Neuzugängen zusammen. Wie empfindest du die Zusammenarbeit bislang?
Ich hatte grossen Respekt vor dieser Konstellation. Im Führungsteam treffen Menschen zusammen, die Regimo seit Jahren kennen, sowie neue Personen mit einem unverstellten Blick von aussen. Bislang funktioniert diese Zusammenarbeit sehr gut und deutlich effizienter, als ich erwartet hatte. Die Erfahrung der bestehenden Mitarbeitenden ist wertvoll, weil sie das Geschäft und die Geschichte kennen. Gleichzeitig helfen neue Perspektiven, Gewohntes zu hinterfragen und Chancen zu erkennen. Reibungen gehören zu einem solchen Zusammenwachsen dazu, insgesamt empfinde ich die Zusammenarbeit als sehr konstruktiv.

Was sind aus deiner Sicht aktuell die Erwartungen der Eigentümerin Pensimo an Regimo?
Aus meiner Sicht waren die Erwartungen im Projekt klar: Die Fusion sollte sorgfältig umgesetzt und per Mitte Jahr erfolgreich abgeschlossen werden. Darüber hinaus gibt die Eigentümerstrategie von Pensimo wichtige Leitplanken vor, ohne jedes Detail festzuschreiben. Das empfinde ich als hilfreich, weil es Orientierung gibt und gleichzeitig Handlungsspielraum lässt. Wichtig ist auch das Verständnis, dass Pensimo nicht nur Eigentümerin, sondern mit Abstand die grösste Kundin von Regimo ist. Eine gute Zusammenarbeit mit Pensimo stärkt deshalb auch die Qualität gegenüber allen anderen Kundinnen und Kunden.

«Regimo muss beides verbinden: nahe und verlässlich bleiben, aber auch mutig und offen für neue Wege.»

Regimo verwaltet auch Liegenschaften, die nicht Pensimo gehören. Stellst du einen Unterscheid fest zwischen Pensimo und anderen Eigentümern?
Ja, die Bedürfnisse unterscheiden sich teilweise deutlich. Wie gesagt: Pensimo ist mit Abstand unsere grösste Kundin und bringt als institutioneller Anlegerin andere Anforderungen mit als kleinere regionale Eigentümerschaften. Bei kleineren Mandaten steht oft die klassische Bewirtschaftung im Vordergrund, mit direktem Kontakt und überschaubaren Fragestellungen. Pensimo hingegen entwickelt sich laufend weiter und stellt dementsprechend höhere Anforderungen an Qualität, Prozesse, Transparenz und zusätzliche Dienstleistungen. Beide Kundengruppen sind wichtig, aber sie verlangen unterschiedliche Formen der Betreuung.

Regimo belegt im Branchenvergleich, beispielsweise bei der Zufriedenheit der Mieterschaft, Spitzenplätze. Was macht ihr besser als die Mitbewerber?
Ein wichtiger Faktor ist, dass unsere Bewirtschaftenden nicht mit zu vielen Objekten überlastet werden. Qualität braucht Zeit und Nähe. Hinzu kommen langjährige Mitarbeitende, die die Liegenschaften, die Mieterschaft und die wiederkehrenden Themen gut kennen. Diese Erfahrung und Kontinuität machen im Alltag einen grossen Unterschied. Gerade deshalb müssen wir darauf achten, dass wir trotz Wachstum persönlich, erreichbar und verlässlich bleiben.

Was ist die Strategie der Regimo, um den Spitzenplatz zu halten?
Die Strategie ist, unsere Stärken konsequent weiterzuführen: regionale Verantwortung, gute Führung vor Ort, kurze Wege und ein persönliches Verständnis des Geschäfts. Die Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer sollen weiterhin unternehmerisch handeln und ihre Teams nahe an den Kundinnen, Kunden sowie der Mieterschaft führen. Wenn wir zu unpersönlich oder zu zentralistisch werden, verlieren wir genau das, was Regimo stark macht.

Werfen wir einen Blick auf eure Mieterinnen und Mieter. Was erwartet die Mieterschaft heute von einer Bewirtschaftung? Hat sich das verändert?
Die Erwartungen haben sich klar verändert. Mieterinnen und Mieter wollen heute schneller Antworten, einfache Kontaktmöglichkeiten und Erreichbarkeit über verschiedene Kanäle. Diese Entwicklung betrifft nicht nur die Bewirtschaftung, sondern unser Verhalten als Gesellschaft insgesamt. Gleichzeitig bleibt unsere Stärke die regionale, verbindliche und persönliche Betreuung. Regimo muss deshalb beides verbinden: nahe und verlässlich bleiben, aber auch mutig und offen für neue Wege, digitale Lösungen und effizientere Abläufe sein. Die Bewirtschaftung wird dadurch nicht weniger wichtig, sondern stärker zur koordinierenden Schnittstelle zwischen Mieterschaft, Eigentümerschaft und Dienstleistern.

«Es geht um ein gemeinsames Ziel, eine gemeinsame Vision, die motiviert und verbindet.»

Wenn du dir etwas wünschen dürftest für Regimo. Was wäre das?
Ich wünsche mir, dass alle Mitarbeitenden wissen, weshalb sie Teil von Regimo sind und welchen Beitrag sie leisten. Es geht um ein gemeinsames Ziel, eine gemeinsame Vision, die motiviert und verbindet. Jede und jeder soll erkennen können: Meine Arbeit ist wichtig für das Ganze. Wenn wir dieses gemeinsame Verständnis schaffen, entsteht Identifikation. Dann geht es nicht nur darum, Aufgaben zu erledigen, sondern gemeinsam etwas Sinnvolles weiterzuentwickeln.

Was macht Marc Capeder in der Zeit, wenn er nicht gerade als CEO der Regimo AG tätig ist?
Ausserhalb der Arbeit stehen für mich Familie, Bewegung und Menschen im Mittelpunkt. Ich habe zwei Kinder und verbringe sehr gerne Zeit mit meiner Familie. Sport ist für mich ebenfalls wichtig, besonders Ballsportarten wie Tennis, Padel, Golf oder Fussball. Ich bin ein Bewegungsmensch, aber auch ein sozialer Mensch: Am liebsten verbinde ich Sport mit Begegnungen, Gesprächen und Freundschaften. Es geht mir weniger um die reine Leistung, sondern darum, aktiv zu sein und Zeit mit Menschen zu verbringen.

Herzlichen Dank für das Interview, Marc.

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